Eingangsbereich

AMIGA40 – (M)eine Zeitreise nach Mönchengladbach

Ich war tatsächlich dabei, als der Commodore Amiga seinen 40. Geburtstag feierte – auf der legendären Amiga40 in Mönchengladbach. Ein Wochenende voller Nostalgie, jeder Menge Merch, spannender Vorträge, cooler Magazine – und der ersten Reise mit unserem selbst ausgebauten Camper „Harri“. Und es war soo viel los, dass es jetzt ein viertel Jahr bis zu diesen Zeilen dauerte 🙁 tut mir echt leid ….

Dieser Beitrag kommt ja recht spät, aber vielleicht findet der eine oder die andere sich ja auf einem der Fotos, daher wollte ich das doch noch alles online stellen, auch wenns schon lange her ist.

Ein erster Roadtrip im Zeichen von Commodore: Vierzig Jahre, ist das nicht unglaublich? Ja und plötzlich war sie da – die Amiga40, die sich in kürzester Zeit zu der Messe für Amiganer entwickelt hat. Ich war zum ersten Mal dabei. An meiner Seite: meine liebe Frau ❤️ und unser rollendes neues Retro-Projekt: „Harri“, unser Camper – benannt nach der legendären Zeile aus Derrick: „Harri, fahr den Wagen vor!“

Ausgebauter Camper Harri
Alles für den Beta-Test an Bord, wir legen ab!

Erst dachte ich ja, ich hätte noch ein paar Wochen um zu überlegen, ob ich es Metal packe, auf die Messe zu fahren. Dann erkannte ich mit grauen, dass sich die Tickets echt fix verauften! Und da ich nach einem Tag unnötiger Unentschlossenheit nur noch Tickets für den Sonntag bekommen konnte, wurde kurzerhand ein Wochenend-Abenteuer draus. Es wurde ein Roadtrip zwischen Schlossromantik und echt unerwarteten Retroträumen.

Schloss Rheydt, PURiNO & die Parkplatz-Romantik

Nach über 300km Anfahrt hatten wir das Reise-Ziel für den Samstagabend erreicht: Der Parkplatz am Schloss Rheydt. Vorher noch eine kleine Schlossbesichtigung, dann gemütlich Essen im PURiNO, dem italienischen Restaurant im Schloss mit Pizza, Pasta und Vino, toll wenn man nicht mehr fahren muss 🙂

Eigang zum Schloss
Eigang zum Schloss Rheydt
Das Schloss
Das Schloss Rheydt
Eingang zu den Dungeons
Eingang zu den „Dungeons“ 😉

Die Nacht war sehr ruhig, ja fast schon unheimlich still. Nur der Wind rauschte leise durch die Bäume, irgendwo war gelegentlich ein Fuchs/Hund/Eichhorn oder anderes Getrier auf Streife und weckte mich immer wieder aus meinem leichten Schlaf auf. Vielleicht war es auch die Aufregung vor dem neuen Tag. Also kuschelten wir uns ein – Harri blieb brav im Standby und die Welt draußen schien zu pausieren.

Am Morgen: Stille. Tau. Kaffee. Ein paar Gassigeher, sonst nichts – perfekt um erstmal zu lüften:

Guten Morgen, erstmal lüften
Guten Morgen, erstmal lüften

Zeit, das System endlich zu booten – auf zum Ziel: red box, Mönchengladbach. Auf Mastodon sah ich bereits unter dem Hashtag #Amiga40 Leute, die die lange Warteschlange gepostet hatten. Aber das war etwas, was ich gerne skippen wollte – es läuft ja nichts weg 🙂 und meine Aufregung war eh schon groß genug!

Ankunft in der Red Box Retro-Zone

Schon bei der Zufahrt zum Parkplatz ein schöner Anblick:

Amiga40 Parkplatz
Amiga40 Parkplatz

Dann steht da ein schicker Wagen vor der Eingangstür:

Amiga Skin
Amiga Skin

Was soll ich viel Worte machen. Nach dem Anlegen des schicken Amiga40-Armbands ging’s direkt rein ins Getümmel. Es war ein Traum wie früher nur diesmal kaum Jugendliche, dafür jede Menge silberne Schläfen, Retro-Shirts und Rucksäcke voller Disketten (oder was auh immer 😉 ). Wir sind eben alle älter geworden und hatten es garnicht gemerkt.

Eingangsbereich
Eingangsbereich – es gab sooo viel zu entdecken

Überall blinkte, summte, klickte und funkelte es. Amigas in allen Varianten: vom Stefanie-Tücking-Design über wilde Case-Mods bis zum Prototypen, den man sonst nur aus Foren kennt. Hier und da lief eine Demo, in der Ecke konnte man sogar wieder „Hugo“ übers Tastentelefon spielen – wie früher auf Kabelkanal (später Kabel1).

Hugo mit Telefonsteuerung
Hugo mit Telefonsteuerung

Amiga 40 Halle 1 – Bühne, Bits & Merch-Vibes

In der ersten Halle herrschte echtes Messefieber. Gleich vorne die lange Theke für das leibliche Wohl, daneben Tische voller Ersatzteile und ‚Schraubkunst‘, und die Merch-Stände, die jedem Retroherz den Bus zum Glühen brachte: T-Shirts mit Boing-Ball-Prints, frisch produzierte Games, Poster mit kultigen Spielcovern – ein Paradies für Nostalgiker mit Sammeltrieb. Und schon die erste Angst, die aus dem Off ins Gewissen spricht: „Kauf jetzt, sonst ist später nichts mehr da! Und DAS wirst Du Dir nie verzeihen !1!11“

Omg, wo bekommt man eigentlich so hübsche kleine TFTs in CRT Gehäuse-Look?

„The Computer they couldn`t kill <3

Richtig spannend wurde es im Vortragsbereich, wo den ganzen Tag Talks und Präsentationen liefen – über neue Hardware, AmigaOS-Entwicklung oder Themen die das Herz erwärmten wie es der Digisaurier mit dem Thema der Demoszene schaffte.

Ach es war faszinierend zu sehen, wie viel Wissen, Leidenschaft und Vision in dieser Community steckt – nicht rückwärtsgewandt, sondern liebevoll zukunftsbewusst.

Und natürlich durfte auch der Printbereich nicht fehlen: Die großen Klassiker waren vertreten – Retrogamer, das Amiga FanZine und andere Magazine, die den Spirit der Homecomputer-Ära bis heute wachhalten. Gedrucktes Wissen auf glänzendem Papier – fast schon ein Statement in einer Welt voller Streams und Clouds.

Amiga 40 Halle 2 – Das Paradies für Retroheads

Händler, Hardware-Gurus, Softwareschmiede, Second-Hand – eine Szene quicklebendig wie nie.

Ich war sowas von überwältigt, wie viel Leidenschaft, Kreativität und Know-how noch immer in der Amiga-Community steckt.

Die Jungs vom französischen Boing Magazin brachten mir das Eis in meinem Kommunikationsmodul zum Schmelzen. Endlich wieder fachsimpeln über Hardware, Games, Hardwarebeschleuniger und das neue AmigaOS. Natürlich wanderte ein Heft in meine Tasche – Pflichtkauf mit Nostalgiebonus. Jetzt bin ich mal etwas still und zeige ein paar Bilder, während ich gefühlt mit offenem Mund durch die Gänge schlendere…

Selfie am Messestand von Boeing Attitude

Der Messestand mit Produkten von Consolekabels.be
Der Messestand mit Produkten von Consolekabels.be

Und dann kam der absolute Gänsehautmoment:

„Lorraine“, der Amiga-Prototyp

Ein Stück Computergeschichte, gerettet und präsentiert von Dale Luck, einem der ursprünglichen Entwickler. Da stand sie – mit ihren handverdrahteten Lochrasterplatinen – und zeigte, wo alles begann.

Ich konnte nicht anders: Selfie Time!

Wenig später lief ich in Gedanken nach dem interessanten Gespräch mit dem Entwickler des PiStorm dirkt in Chris Hülsbeck. Der Mann, der uns mit so vielen Beats auf dem Amiga Gänsehaut geschenkt hat 🙂 Ich wollte ihn echt gerne ansprechen, aber ich muss ihn so doof angeglotzt haben („Moment Dich kenne ich doch …“ dass ich, ähm es nicht konnte es war ein zu ehrfürchtiger Moment. Ich denke man könte es beschreiben mit einem dieser Popstar-Momente, die man nur selten im Leben hat – nur für einen gealterten Retro-Fan.

Und das Highlight: Neue Freunde treffen

Ja, das große Highlight: Mein erstes Zusammentreffen mit Marco XAct-6510, einem Retrofreund, den ich bisher nur online kannte (und seiner lieben Frau). Er stand mir plötzlich im Weg und sprach mich an … und sah mir grinsend zu, wir mir der Groschen in Zeitlupe gefallen ist 😀
Ach, was soll ich sagen – das gibts nur in der Retro-Bubble, sofort fühlte es sich an, als würden wir uns seit Jahrzehnten kennen.

XAct und Rusty
Freunde in ihrem natürlichen Lebensraum: XAct und Rusty

Kaffee, Gespräche, Pläne – Retro verbindet !

XACT_6510 und Rusty Invader mit den Liebsten XACT_6510 und ich mit unseren Liebsten <3

Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen in diesem Frühjahr <3 oder wenn der Camper eines Tages über den Beta-Status hinauskommt und uns in den Süden trägt.

Ende mit Tränen

Gen Ende suchte ich noch etwas Bestätigung für den Traum, auf die Amiga 41 oder 42 zurückkehren zu können und sprach mit einer netten Dame an der Eingangstür, die irgendwie zum Veranstalter gehörte. ‚Leider…‘, so sagte sie mit glasigen Augen, glaube sie nicht daran, dass es eine weitere Messe geben würde.

Was mich jedoch viel mehr traf, als ich vermutet hätte. Und leider versuchte ich erfolglos ein paar Tränen zu verkneifen, als wir das Geschehen in Richtung Harri verließen.

Auch die dreieinhalb Stunden Heimweg kamen mir sehr surreal vor, einerseits erleuchtet, schwebend und doch sehr traurig über die letzten Worte. Ich hoffe sehr, dass sich der Veranstalter hinreißen lässt, das Event noch einmal zu wiederholen, denn die Amiga40 war mehr als nur eine Messe.
Sie war ein Gefühl, eine Welle von Erinnerung und Begeisterung, die uns alle wieder jung gemacht hat – zumindest für einen Tag.

Harri, heimwärts

Als wir in Harri stiegen, fühlte sich die Rückfahrt schwer an. Der Motor summte vor sich hin, meine Gedanken hingen in einer ewigen Schleife. Etwas traurig, erfüllt aber sehr dankbar. Sonnenuntergang im Rückspiegel…

Sonnenuntergang im Rückspiegel

Wie ein Amiga, bei dem nach einem langen Demo-Abend leise das Laufwerk nicht aufhört zu drehen.

Fazit: Insert Disk und nimm den Knüppel in die Hand

Die Amiga40 war kein normales Event. Sie war viel eher ein emotionaler System-Reboot. Es war ein Wochenende, das zeigte, dass der Amiga mehr ist als ein Computer –
er ist ein Teil von uns geworden und hat uns über so viele Dekaden begleitet und emotionale Stütze gegeben.

Danke, Amiga.
Danke, Community.
Danke, Harri.

Euer Rusty

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